Sigi Bütefisch, Dipl. Grafik-Designer, Trainer und Coach.
Sein täglich Fisch: Marketing und Kommunikation für Verbände, Firmen
und Selbstständige — vom ganzheitlichen Konzept bis zur Umsetzung.
 
 

Archiv nach Themen | Kommunikation

Information gleich Fast-Food

Sigi 26.11.2007 | Kommunikation

Informationschwemme – schon vor über 80 Jahren ein Thema für die Philosophie. Ich bin vor kurzen über einen interessanten Gedanken Walter Benjamin gestolpert. Es geht um die Unterschiede zwischen einer Geschichte und einer Information. Benjamin meint vereinfacht: Eine gute Geschichte, Metapher überdauert, bleibt (auch wenn verändert oder in einen anderen Kontext gesetzt) erzählenswert und berührt. Information, die nicht mehr aktuell ist, verliert immer mehr an Wert. Also wie beim Fast Food.  Kurze Gelüste und bald wieder Hunger nach mehr. Beschreibt das nicht auch manche Entwicklungen in den Medien, in Blogs? Masse statt Qualität? Schnell statt Langsam? Keine Zeit zum Verdauen, zum assimilieren?

Was wird an „nährender” Substanz bleiben. Was davon bleibt erzählenswert – in geselligen Runden, am Lagerfeuer…

Vielleicht überspitzt: Information ist notwendig, ganz klar – aber (vor allem zuviel) Information „entzaubert”, hält uns fest, ist maximal Pflicht und wird selten zur Kür. Ich persönlich denke, die Balance zwischen „Geschichten” und „Informationen” stimmt nicht – auch in der Business-Blogszene.

Besser ein Rindvieh zu Fuss

Sigi 15.11.2007 | Kommunikation

in der Wüste, als zuviel unterwegs im Web 2.0 und Co. Denn wer im Treibsand der Informationsgesellschaft untergeht, sich zwischen Belanglosigkeiten verirrt, macht sich nicht nur das Leben schwer, sondern auch dümmer als er in Wirklichkeit ist. Interessante Gedanken dazu von  Jochen Mai, einem Journalist der Wirtschaftswoche.

Während wir die Gefahren der Wüste ernstnehmen und uns um Führer, Kompetenz und Ausrüstung kümmern, stolpern doch die meisten recht unbedarft und ohne Gefahrenbewusstsein durch die unendlichen Weiten der Information. Wer fühlt sich zum Informationsscout berufen?

Qualität in der Gestaltung

Sigi 21.10.2007 | Kommunikation

Zunächst Alberti: Gestaltung ist dann gut, wenn…„nichts hinzugefügt noch weggelassen werden kann, ohne die Gesamtwirkung zu verschlechtern”

Das könnte erklären, warum unnötige Schnörkel (hinzugefügt) als Kitsch empfunden, aber auch manche absolut reduzierte Gestaltung (weggelassen) als kalt und „unmenschlich” empfunden wird. Natürlich gibt es hier keine allgemeine Wahrheit. Geschmäcker wandeln sich – kulturelle und individuelle Unterschiede in der Ästhetik bestehen. Und doch scheint es ein klares Empfinden für das „Zuviel” und „Zuwenig” für jeden Gestalter zu geben. Das gilt nicht nur für typische Künstler wie Maler und Komponisten sondern auch für  Grafik-Designer und Köche.

Wer sich mit der Gesamtwirkung auseinandersetzt, muss vernetzt denken, also komplexe Strukturen in Beziehung bringen. Vielleicht gelten „Künstler” deshalb häufig eher als ideenreich aber chaotisch – detailfokusierte „Buchhalter” dagegen als genau, ordendlich aber wenig kreativ.

Vielleicht ist es auch so zu erklären, dass gerade gutes Industriedesign sich als die „nüchterste Kunst” entwickelt hat. Denn industrielle Fertigung begünstigt und fordert manchmal sogar eine Ästhetik der klaren (technischen) Formensprache mit wenig Elementen.

Gestalter und Gestalttheorie

Sigi 10.10.2007 | Kommunikation

Gestaltung dient einer Absicht – meistens bewusst häufig auch unbewusst. Das gilt von der Höhlenmalerei mit spirituellen Hintergrund bis zur Internetseite um Profit zu machen. Gestaltung heißt immer Dinge in Beziehung zu setzen, zu ordnen. Und Gestaltung braucht den „Schöpfer” genauso wie den Betrachter (wobei der „Schöpfer” immer auch Betrachter ist). Damit sind wir bei der Wahrnehmungspsychologie.

Was passiert von der reinen sensorischen Wahrnehmung bis zur mentalen Verarbeitung. Denn beispielsweise ist die reine Wahrnehmung dieses Bildschirmtextes nicht identisch dem „inneren Bild” dieser Seite. Die reinen Netzhauteindrücke werden (unbewusst) ausgefiltert, bewertet, in Beziehung gesetzt. Das was „übrigbleibt” ist völlig individuell und doch gibt es bestimmte Dinge, die Menschen ähnlich interpretieren.

Beschäftigt hat sich mit diesen Themen schon um die Jahrhundertwende Christian von Ehrenfels. Darauf aufbauend formulierte die Berliner Schule um Max Wertheimer folgende Gesetze der Gestalttheorie/Gestaltpsychologie:

Gesetz der Prägnanz
Es werden bevorzugt Gestalten wahrgenommen, die sich von anderen durch ein bestimmtes Merkmal abheben. (Also wer „normal” ist fällt nur unter lauter „unnormalen” auf – aber dann ist er ja schon nicht mehr normal)

Gesetz der Nähe
Elemente mit geringen Abständen zueinander werden als zusammengehörig wahrgenommen. (Daran unterscheiden sich oft Frischverliebte von Ehepaaren)

Gesetz der Ähnlichkeit
Einander ähnliche Elemente werden eher als zusammengehörig erlebt als einander unähnliche. (Jeansträger gegen Nadelstreifen – auf die Schublade und rein damit)

Gesetz der Kontinuität
Reize, die eine Fortsetzung vorangehender Reize zu sein scheinen, werden als zusammengehörig angesehen. (Die Basis der Musik)

Gesetz der Geschlossenheit
Linien, die eine Fläche umschließen, werden unter sonst gleichen Umständen leichter als eine Einheit aufgefasst als diejenigen, die sich nicht zusammenschließen. (Wird gerne bei optischen Täuschungen genutzt)

Gesetz der gemeinsamen Bewegung
Zwei oder mehrere sich gleichzeitig in eine Richtung bewegende Elemente werden als eine Einheit oder Gestalt wahrgenommen. (Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, eine Schwalbe im Finkenschwarm wird aber leicht zum Fink)

Gesetz der fortgesetzt durchgehenden Linie
Linien werden immer so gesehen, als folgen sie dem einfachsten Weg. Kreuzen sich zwei Linien, so gehen wir nicht davon aus, dass der Verlauf der Linien an dieser Stelle einen Knick macht. (Wieder eine klassische optische Tüschung – Menschen mögen es einfach einfach)

Ergänzt wurden diese Gesetze von Stephen Palmer in den 1990er Jahren:

Gesetz der gemeinsamen Region

Elemente in abgegrenzten Gebieten werden als zusammengehörig empfunden. (Das nutzt gute Bühnendramaturgie)

Gesetz der Gleichzeitigkeit
Elemente, die sich gleichzeitig verändern, werden als zusammengehörig empfunden. (Leuchtfeuer bei Flughäfen, versteht schon jedes Kind im dunkeln)

Gesetz der verbundenen Elemente
Verbundene Elemente werden als ein Objekt empfunden. (Ein Grundprinzip der Architektur und des Designs)
Macht doch den Test und schaut bewusst gestaltete Dinge der Umwelt an. Oft hängt die Wirkung, (auch in der Werbung) davon ab, ob diese Gesetze verletzt oder berücksichtigt werden. Oder überlegt bei der nächsten Gruppensituation warum Ihr Gemeinsamkeit oder Disharmonie spürt. Ziemlich spannend.

Gefährliche Gestaltung

Sigi 9.10.2007 | Kommunikation

Im Gespräch mit Grafik-Design Studenten – aber auch mit „gestandenen” Gestaltern und Marketingleitern – bin ich immer wieder überrascht, wie wenig über Wahrnehmungsspsychologie nachgedacht und gewusst wird.

Wer würde sich in einem Haus wohl- und sicher fühlen, bei dessen Bau alle Regeln der Statik verletzt wurden.

Ist Mediengestaltung und bedrucktes Papier so ungefährlich, dass es z. B. keine Kenntnis der Wahrnehmungsspsychologie braucht? Sicher, Kreativität und Gestaltung hat viel mit „Herz und Bauch” zu tun – aber ohne „Kopf” fehlt ein wichtiger Teil der Qualität. Es braucht meiner Meinung nach Bewusstheit beim und über den Gestaltungsprozess. Dazu gehört auch das Wissen von Gesetzmässigkeiten der menschlichen Wahrnehmung. Die Beziehung zwischen Gestaltung und Wirkung auf den Menschen war von der Frühgeschichte an ein wichtiges Thema – in der Architektur, in der Musik, in der darstellenden wie in der bildenden Kunst. Hier reicht die Spanne von mathematischen-naturwissenschaftlichen über psychologische bis hin zu esoterischen Ansätzen, vom goldenen Schnitt bis hin zum Feng Shui.

Natürlich sind alle diese „Gesetze” nicht allein-seeligmachende-Wahrheit, sondern Modelle, die (in einem bestimmten Kontext) recht gut „funktionieren”.

In den nächsten Beiträgen werde ich einige dieser Modelle vorstellen.

Auch beim Reden hilft etwas Chaos

Sigi 18.9.2007 | Kommunikation

Noch ein Beitrag zur „Chaoswoche”.

„… Versprecher sind, sofern sie nicht in starkes Stottern ausarten, das Salz in der Suppe des Sprachflusses …”.

Das schreibt „Bild der Wissenschaft”» in der Oktober-Nummer. Das in Stuttgart erscheinende Magazin bezieht sich dabei auf drei Studien aus Schottland und den USA.

Durch die Ähhs und Mmms, wird der Zuhörer „vorgewarnt” und fokusiert seine Aufmerksamkeit. Damit kann sich der Zuhörer das Folgende besser merken.

Fazit: Rhythmusunterbrechungen lösen damit einen Impuls zum besseren Verständnis aus – ob das immer die Ähhs sein müssen, glaube ich persönlich nicht. Also nur Mut zu etwas Chaos, wenn die Grundstruktur stimmt. Funkt——————–tionier auch beim Schreiben!

Neue Formen der Geschäftskommunikation

Sigi 4.9.2007 | Kommunikation

sind oft die ganz Alten. Beispielsweise Singen (auch in Firmenchören) oder das Wandern (auch im Geschäftskontext). Beides „praktiziere” ich schon lange und wahrscheinlich bin ich deshalb auf zwei interessante Blogartikel dazu gestoßen.

Zur Stimme

Zum Wandern

Was mir daran gefällt, ist das „Einfache”: Also nicht das Insentiv mit dem Motorschlitten in die Antarktis, sondern das Erlebnis mit der Grundausstattung Stimme, Füße, Körper. Ein Erlebnis, welches selbst direkt vor der Haustür funktioniert.

Denglish

Sigi 28.8.2007 | Kommunikation

Ist English und Denglisch das neue Kirchenlatein des Mittelalters? Braucht es diese „Insidersprache” um Kompetenz zu zeigen? Um dazu gehören? Um sich abzugrenzen?

Klar, Sprache ist dynamisch und Englisch die Sprache, die Brücken zwischen vielen Menschen und Kulturen möglich macht. Selbstverständlich werden so viele englischen Begriffe einfließen. Aber:

Ist jemand der Content noch Inhalt und Cash Geld nennt ein deutschtümmelnder Gestriger, jemand der sich als inkompetent „outet”?. Wäre mit einer anderen Ausdrucksweise (Ja es gibt durchaus intelligente „Humans” und potenzielle Kunden, die diese „Insider”- Sprache nicht verstehen oder mögen) vielleicht mehr Öffnung und Akzeptanz für Neues - auch für das Web 2.0, Blogging, für neue Marketingansätze und ähnliches möglich?

Zwei Beispiele zum Nachdenken:

Wie kommen Ärzte an, die Klartext statt Latein reden?
Und noch etwas historisches: Wieviel Zündstoff barg das Deutsch von der Kirchenkanzel?

Viele Fragen, doch noch interessanter ist sicherlich die Diskussion darüber.

Virtuelle Communities

Sigi 14.8.2007 | Kommunikation

Bei Burkhard Schneider habe ich viele interessante Gedanken dazu gefunden. Lesen lohnt sich.

Für mich eigentlich nicht erstaunlich, dass für Communities im Netz die gleiche Dinge gelten, wie für alle Gemeinschaften. Denn Menschen im Netz sind auch nur Menschen!

  • Nicht die Größe entscheidet über die Qualität, sondern das Engagement und die Begeisterung
  • Gemeinschaften brauchen ein gemeinsames Thema, noch besser eine gemeinsame Vision
  • Gemeinschaften funktionieren nur durch Geben und Nehmen im Gleichgewicht
  • Kommunikation braucht Ohren, die zuhören. Nicht nur Münder, die plappern
  • Gemeinschaften sind vergänglich. Nur durch fortwährende Entwicklung wird der „Niedergang” transformiert.
  • Gemeinschaften brauchen Vielfalt, also nicht zuviel Inzucht.

Business und Campingplatz

Sigi 9.8.2007 | Kommunikation

Der Alltag hat mich wieder und der Einstieg fällt leicht. Denn der Gang über den Campingplatz hat Parallelen zur Kommunikationsbranche.

Viele Stellplätze, viele Menschen auf engstem Raum. Wer fällt auf, wer passt sich an? Da gibt es den Klassiker: Wohnwagen, Vorzelt, Schuhregal und stets geschlossener Vorzeltreißverschluss bei Abwesenheit. Ähnlich der Dauercamper: Hier zusätzlich gerne Spitzengardinen und Solarleuchten im 1×1 Meter Vorgärtchen. Oder die Chaoszelter: Im Zentrum das Zelt und drumherum in abnehmender Dichte Fahrräder, Handtücher, Sportgeräte, Flaschen und was man sonst noch braucht oder brauchte. Die meisten anderen „positionieren” sich irgendwo dazwischen.

Warum haben fast alle Wohnwagen und Mobile so ein seltsames Design haben (Zahnbelagsbeige mit Goldstreifen – ja, das ist der Noblesse)? Warum stehen die meisten „Unterkünfte” mit dem Eingang zum Weg? Das erinnert mich an einen guten Artikel von Monika Birkner aus Ihrem Artikel „Muss man sich verbiegen, um Aufträge zu bekommen?” via Best Practice Blog.

„Die große Chance von Solo- und Kleinunternehmern besteht darin, ihre eigene Persönlichkeit einzubringen und ihrem Unternehmen ihren höchstpersönlichen Stempel aufzudrücken. Doch viele Selbstständige scheinen gerade das vermeiden zu wollen. Websites und Werbematerialien wirken anonym. Auch Einzelkämpfer sagen „wir“ statt „ich“, um einen in Wahrheit nicht vorhandenen Apparat zu suggerieren. Manche Websites zeigen kein Foto desjenigen, für den sie werben sollen. Die Sprache ist gekünstelt und phrasenreich. Mit anderen Worten: Es wirkt häufig so, als ob jemand mit aller Gewalt versuchte, sich ein möglichst gelacktes Image aufzubauen.”

Also Mut zur Authentizität auf dem Campingplatz und im Business, im Waschraum genauso wie bei der Aquisition. Dann wird das Leben kontrastreicher, bunter und spannender.

familie.jpgwohnwagen.jpg

   
   

Wenn die Fische stumm sind, so sind dafür ihre Verkäufer desto beredeter. (Lichtenberg)

Herzlich Willkommen bei Frischfisch!
Fangfrisches zum Thema Ressourcenentwicklung, Wissensmanagement,
Zielfindung, Strategie und Kommunikation. Dazu etwas Beifang.