Sigi Bütefisch, Dipl. Grafik-Designer, Trainer und Coach.
Sein täglich Fisch: Marketing und Kommunikation für Verbände, Firmen
und Selbstständige — vom ganzheitlichen Konzept bis zur Umsetzung.
 
 

Multitemporalität oder die Frage nach Zeit- oder Güterwohlstand

Heute hatte ich zwei Kundengespräche, die mir zu denken gaben: „Brauche dringend eine Auszeit…” der eine. „…wie wir das bis nächste Woche hinbekommen können, ist mir schleierhaft.” die andere. Und das ist nicht nur freitags häufig – der Wochendfreizeitstress steht schon vor der Tür – der Tenor beruflich sehr engagierter Menschen.

Und damit drängt sich (zugegeben, vielleicht eine Luxusfrage) auf: Welche Prioritäten setze ich für mich persönlich? Welchen Preis für beruflichen Erfolg bin ich bereit zu zahlen? Erkenne ich den Unterschied zwischen Zeit- oder Güterwohlstand? Was kann ich verlieren (aber auch gewinnen) wenn ich entschleunige?

Termindruck erscheint als der Stressauslöser schlechthin. 5 Minuten Bildstörung bei einer Fussballübertragung als Katastrophe. Warten erscheint als Zeitverschwendung. Wie gehen wir mit Dingen um, die nicht in unserer Macht stehen? Schon Lewis Mumford schrieb vor über 40 Jahren:

„…Ziel ist, dass man für jede menschliche Aktivität das richtige Tempo findet. Kurz gesagt, man sollte den Takt des Lebens ebenso wie in der Musik einhalten: also nicht lediglich dem mechanischen Schlag des Metronoms folgen, wie dies Anfänger tun, sondern Satz für Satz das richtige Tempo ausmachen und den Takt den menschlichen Bedürfnissen und Zwecken anpassen.“

Das Problem hat sich seitdem verstärkt. Unsere Arbeitswelt kennt zunehmend nur noch den schnellen Beat. „Gas geben! – Leben im sozialen Tempodrom“, hieß passend dazu der Titel eines hörenswerten Podcast des swr2 zum Thema Zeit.

Multitemporalität heißt das Schlüsselwort, welches immer mehr Beachtung findet. Multitemporalität bedeutet bewusst Schnelligkeit und Langsamkeit leben zu können. Bedeutet, bewusst effizient sein zu sein zu können aber auch bewusst zu entschleunigen. Zwischenzeitlich springen immer mehr Seminaranbieter und Firmentrainer auf den Zug Multitemporalität auf. Ich persönlich glaube aber, dass der Umgang mit der Zeit viel mehr mit grundsätzlichen Werten und einer Lebensorientierung zu tun hat – echte Multitemporalität braucht dazu eine andere Art der Geschäfts- und Lebenskultur. Wenn diese neue Form von Zeitmanagement nur das Ziel hat, die negative gesundheitlichen und seelischen Auswirkungen zu reparieren und alles andere unverändert zu lassen, greift sie zu kurz.

Für mich als Anbieter von Kommunikationskonzepten wird es immer wichtiger, die gesteigerte Potenz unserer Kommunikationsmöglichkeiten kritisch zu hinterfragen. Es kann künftig nicht (nur) darum gehen, welchen Beitrag die Kommunikation für Unternehmensziele leistet, sondern auch, wie es den Menschen damit geht. Langfristig gedacht, sicherlich auch ein wichtiges Unternehmensziel.

   
   
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