Sigi Bütefisch, Dipl. Grafik-Designer, Trainer und Coach.
Sein täglich Fisch: Marketing und Kommunikation für Verbände, Firmen
und Selbstständige — vom ganzheitlichen Konzept bis zur Umsetzung.
 
 

Gestalter und Gestalttheorie

Gestaltung dient einer Absicht – meistens bewusst häufig auch unbewusst. Das gilt von der Höhlenmalerei mit spirituellen Hintergrund bis zur Internetseite um Profit zu machen. Gestaltung heißt immer Dinge in Beziehung zu setzen, zu ordnen. Und Gestaltung braucht den „Schöpfer” genauso wie den Betrachter (wobei der „Schöpfer” immer auch Betrachter ist). Damit sind wir bei der Wahrnehmungspsychologie.

Was passiert von der reinen sensorischen Wahrnehmung bis zur mentalen Verarbeitung. Denn beispielsweise ist die reine Wahrnehmung dieses Bildschirmtextes nicht identisch dem „inneren Bild“ dieser Seite. Die reinen Netzhauteindrücke werden (unbewusst) ausgefiltert, bewertet, in Beziehung gesetzt. Das was „übrigbleibt” ist völlig individuell und doch gibt es bestimmte Dinge, die Menschen ähnlich interpretieren.

Beschäftigt hat sich mit diesen Themen schon um die Jahrhundertwende Christian von Ehrenfels. Darauf aufbauend formulierte die Berliner Schule um Max Wertheimer folgende Gesetze der Gestalttheorie/Gestaltpsychologie:

Gesetz der Prägnanz
Es werden bevorzugt Gestalten wahrgenommen, die sich von anderen durch ein bestimmtes Merkmal abheben. (Also wer „normal” ist fällt nur unter lauter „unnormalen” auf – aber dann ist er ja schon nicht mehr normal)

Gesetz der Nähe
Elemente mit geringen Abständen zueinander werden als zusammengehörig wahrgenommen. (Daran unterscheiden sich oft Frischverliebte von Ehepaaren)

Gesetz der Ähnlichkeit
Einander ähnliche Elemente werden eher als zusammengehörig erlebt als einander unähnliche. (Jeansträger gegen Nadelstreifen – auf die Schublade und rein damit)

Gesetz der Kontinuität
Reize, die eine Fortsetzung vorangehender Reize zu sein scheinen, werden als zusammengehörig angesehen. (Die Basis der Musik)

Gesetz der Geschlossenheit
Linien, die eine Fläche umschließen, werden unter sonst gleichen Umständen leichter als eine Einheit aufgefasst als diejenigen, die sich nicht zusammenschließen. (Wird gerne bei optischen Täuschungen genutzt)

Gesetz der gemeinsamen Bewegung
Zwei oder mehrere sich gleichzeitig in eine Richtung bewegende Elemente werden als eine Einheit oder Gestalt wahrgenommen. (Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, eine Schwalbe im Finkenschwarm wird aber leicht zum Fink)

Gesetz der fortgesetzt durchgehenden Linie
Linien werden immer so gesehen, als folgen sie dem einfachsten Weg. Kreuzen sich zwei Linien, so gehen wir nicht davon aus, dass der Verlauf der Linien an dieser Stelle einen Knick macht. (Wieder eine klassische optische Tüschung – Menschen mögen es einfach einfach)

Ergänzt wurden diese Gesetze von Stephen Palmer in den 1990er Jahren:

Gesetz der gemeinsamen Region

Elemente in abgegrenzten Gebieten werden als zusammengehörig empfunden. (Das nutzt gute Bühnendramaturgie)

Gesetz der Gleichzeitigkeit
Elemente, die sich gleichzeitig verändern, werden als zusammengehörig empfunden. (Leuchtfeuer bei Flughäfen, versteht schon jedes Kind im dunkeln)

Gesetz der verbundenen Elemente
Verbundene Elemente werden als ein Objekt empfunden. (Ein Grundprinzip der Architektur und des Designs)
Macht doch den Test und schaut bewusst gestaltete Dinge der Umwelt an. Oft hängt die Wirkung, (auch in der Werbung) davon ab, ob diese Gesetze verletzt oder berücksichtigt werden. Oder überlegt bei der nächsten Gruppensituation warum Ihr Gemeinsamkeit oder Disharmonie spürt. Ziemlich spannend.

   
   
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