Sigi Bütefisch, Dipl. Grafik-Designer, Trainer und Coach.
Sein täglich Fisch: Marketing und Kommunikation für Verbände, Firmen
und Selbstständige — vom ganzheitlichen Konzept bis zur Umsetzung.
 
 

Organisationsentwicklung von Chaoten

Nichts kann existieren ohne Ordnung – nichts kann entstehen ohne Chaos.

Ein interessanter Gedanke von Einstein, gerade im Bezug auf Organisationsentwicklung.

Überorganisation und zu feste Strukturen ersticken Kreativität (genauso wie Arbeitsfreude und Motivation) – aber zuviel Chaos macht es unmöglich „die Früchte“ einzufahren, „Profit” zu machen und die Geschäftsentwicklung zu stabilisieren. Die praktische Frage lautet deshalb, wie schaffe ich die Balance zwischen Chaos und Struktur. Diese beiden Polaritäten sind nicht zufällig Bestandteil fast aller Schöpfungsmythen. Am Anfang die „kreative Ursuppe”, die dann aufgespaltet und geordnet wird, um Dinge daraus „feste Dinge” entstehen zu lassen. Ein Beispiel: Es braucht formbare, unstrukturierte – also noch chaotische – Masse um einen Krug zu töpfern – aber ohne Aushärtung des Tons bleibt ein Krug nutzlos. Gleichzeitig wird auch der beste Krug altern und brüchig werden. Es braucht also immer wieder neues Töpfermaterial um Nützliches, Gewinnbringendes zu schaffen.

Viele Organisationsentwickler und Sanierer kommen aus dem Umfeld des Managements. Gutes Management braucht eine hohen Kompetenz, Abläufe strukturieren zu können. Das ist für jede Organisation notwendig – vor allem, wenn das Kernproblem in zuwenig Struktur liegt. Häufig ist es aber so, dass den Organisationen das Chaos fehlt, die „kreative Ursuppe” ausgetrocknet ist oder gerade trockengelegt wird (manchmal gerade von den Sanierern). Dann fehlt der Nährboden, aus dem etwas Neues entstehen kann. Deshalb braucht es auch Menschen (externe und interne) mit schöpferischem Chaos. Gerade um Prozesse zu begleiten und Strukturen aufzubrechen und zu verjüngen.

Fazit: Chaos und Ordnung, es braucht beides. Am besten nicht nur in der großen Struktur der Organisation, sondern auch im eigenen Kopf, im System Mensch. Der Gründer von VISA, Dee Hock, hat in diesem Zusammenhang den Begriff „chaordisch” geprägt. Dazu auch ein interessantes (vier Seiten langes) Interview gegeben. In einem Magazin, welches für mich zwar einen etwas seltsamen großspurigen Titel (enlightenment) trägt, aber häufig gute Beiträge hat.

3 Reaktionen zu “Organisationsentwicklung von Chaoten”

  1. Joachim Zischke | 17. September 2007, 13:36

    Aha, ein neuer Begriff. Ich liebe Neologismen -

    In Brandeins 4/2001 gab es ebenso ein interessantes Interview mit Dee Hock.

    Gut gefielen mir dort folgende Analogien: “Ein Zug ist ein Newton’sches System: Wenn die Lokomotive fehlt, steht der Zug still. Dagegen ist ein Vogelschwarm chaordisch. Auch wenn ein Vogel stirbt, zerstört das nicht den Geist des Schwarms.”

    Auf zur Schwarmintelligenz.

  2. Sigi | 17. September 2007, 16:41

    Danke für den Link. Habe gleich den Artikel gelesen. Deine und meine Fvoriten liegen ganz nah beisammen. Die vorangestellten Fragen:

    Schauen Sie doch mal aus dem Fenster, und zeigen Sie mir den Vorstandsvorsitzenden des Waldes oder den Chef der Fische im Teich! Wo ist der Geschäftsführer der Neuronen Ihres Gehirns?

    Werde mir das Buch wohl demnächst kaufen – und wenn Du möchtest Dir leihen.

  3. Joachim Zischke | 18. September 2007, 08:13

    - und wenn Du möchtest Dir leihen.
    Vielen Dank für das freundliche Angebot, Sigi, das nehme ich sehr gerne an – nachdem du es gelesen hast ;-)

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