Sigi Bütefisch, Dipl. Grafik-Designer, Trainer und Coach.
Sein täglich Fisch: Marketing und Kommunikation für Verbände, Firmen
und Selbstständige — vom ganzheitlichen Konzept bis zur Umsetzung.
 
 

Süchtige sind Suchende

…die aufgegeben haben weitersuchen. Weiterzusuchen, was sie eigentlich finden wollen. (II. Artikel zum Blogkarneval)

Diese Definition zur Sucht gefällt mir sehr gut. Erstens, weil sie damit die Grauzone und den Übergänge zwischen leidenschaftlichem Engagement und süchtigem Verhalten erklärt. Zweitens, weil Sucht sich nicht an einem bestimmten Verhalten festmachen läßt, sondern nur in Beziehung zur Zeit, zur individuellen Biographie. Drittens, weil Suchen eine zutiefst menschliche (und positive) Eigenschaft ist und wir deshalb alle nur einen Schritt von der Sucht entfernt sind, sobald wir das übergeordnete Ziel (Metaziel) aus den Augen verlieren.

Gerade das Internet hat ein hohes Suchtpotenzial. Denn hier lässt sich grenzenlos „Suche” ausleben. Die Suche nach Informationen, nach Unterhaltung, nach Menschen, nach Neuigkeiten, nach Ablenkung, nach dem Kick, nach dem Besonderen, nach Geheimnissen, nach Schnäppchen, nach Erfolg. Und mit den neuen Möglichkeiten (Web 2.0, Blogs, XING, Second Life und Co.) sogar immer leichter auch in Kontakt treten und Beziehungen aufzubauen. Die perfekte „Welt” für fast alle menschlichen Bedürfnisse. Ein gigantischer Markplatz, mit immer neuen Verlockungen, vom (safer) Sex bis hin zur Möglichkeit tolle Geschäfte zu machen – bequem, billig, anonym, „ungefährlich” und rund um die Uhr. Eine Chance für die Marco Polos des neuen Jahrtausends – aber ohne die durchgelaufenen Schuhe , dem Schweiß, die Sonne, der Kälte, dem echten Abenteuer. Für mich persönlich hat das Internet „systembedingt” Grenzen. Es bleibt kopflastig, ein immer besserer werdender Simulator – Second Life ist doch ein wirklich ehrlicher Begriff. Ich persönlich glaube, menschliche Bedürfnisse sollten im First Life, in der echten Welt gesucht und gefunden werden. Handelnd, mit Kopf, Herz und Bauch ohne Berührungsängste. Also auch mit den tollen Möglichkeiten des Internets. Eine virtuelle Reise mit Google Earth ist faszinierend, aber die wirkliche Reise bleibt spannender. Und da unser Tag nur 24 Stunden hat, bleibt uns die Verantwortung für die Mischung. Wieviel Medienkonsum, wieviel frische Luft, wieviel Hautkontakt, wieviel Gespräche, wieviel Sitzen, wieviel Bewegung, wieviel Reden und wieviel Schweigen, wieviel Internet, wieviel Bloggen, Was bringt uns davon unserem (Meta)ziel näher, was werden wir durch unsere Tagesgestaltung mittel- und langfristig erreichen.

Was erwarte ich persönlich für die eineinhalb Stunden Zeitinvestition für diesen Artikel? Mein Wunsch sind viele Anregungen und Kommentare. Welche Ziele sucht und erreicht Ihr/Sie mit Web 2.0, mit dem Bloggen. Aber auch Eure/Ihre Strategien gegen die Sucht – damit die Suche nicht in der Sucht endet. Bloggen, nicht zum-im-Kreis laufen wird.

   
   
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